Wie sieht die Strategie der Zulieferer aus?

Abhängig vom Rohstoffbezug aus China

Die Rohstoffpreise sind unter anderem infolge extremer Nachfrage explodiert, Lieferengpässe stellen Unternehmen vor ernsthafte Probleme – die Rohstoffkrise hält die Welt in Atem und wird dies voraussichtlich auch noch weiterhin tun. Unternehmen und Zulieferer der Gießereibranche müssen sich so gut es geht auf die veränderten Bedingungen einstellen, denn eine Entwarnung, ein Licht am Ende des Tunnels ist vorerst nicht in Sicht.

Von Thomas Pfeiffer, Düsseldorf

Das A und O: Ein weltweites Netzwerk Die Hüttenes-Albertus-Gruppe (HA) ist weltweit in über 30 Ländern vertreten. Ein breites Portfolio aus chemischen Rohstoffen, Mineralien und Sanden muss betreut werden – von kleinen Spezialitäten bis zu großvolumigen Commodities. Um den Einkauf für sämtliche HA-Gesellschaften zu organisieren und krisensicher aufzustellen, arbeiten die strategische und die operative Ebene zwar eng verzahnt, jedoch separiert: Strategisch
agiert der Einkauf von HA zentral, während das operative Geschehen lokal und kundennah an den weltweiten Produktionsstandorten stattfindet. Das Einkäufernetzwerk der weltweiten HAGesellschaften kommuniziert regelmäßig über die digitalen Medien damit Produkt-Markt-Informationen international transparent ausgetauscht werden können. Mit dem Wissen über die Vorgänge und Veränderungen in den unterschiedlichen Ländern sind die HA-Gesellschaften weltweit in der Lage, auch in Zeiten von Engpässen schnell zu reagieren und sich untereinander sofort zu helfen, wenn nötig. Diese enge Vernetzung ermöglicht es, lieferfähig zu bleiben.

Die Herausforderungen in den Jahren 2020 bis 2022

Wie bereits 2020 ist auch dieses Jahr maßgeblich geprägt von den Auswirkungen der Corona-Krise. Sie belasten die weltweite Wirtschaft, Unternehmen sehen sich mit immensen Herausforderungen konfrontiert. Für den Einkauf bei HA stand zu Beginn der Pandemie zunächst die Beurteilung der Lieferfähigkeit der eigenen Lieferanten sowie deren finanzielle Stabilität im Vordergrund. Es galt, sich auf den drastisch sinkenden Bedarf der Endkunden einzustellen. Im
3. Quartal 2021 kam eine nie dagewesene Kombination von Ereignissen hinzu, welche die ohnehin schon angespannte Situation noch weiter verschärft hat und dies auch weiterhin tut:

  • Stark volatile Bedarfe erschweren die Planung.
  • Bei den Lieferanten und Logistikpartnern fehlt es an Personal.
  • Sonderereignisse wie beispielsweise der Austritt Großbritanniens aus der EU oder die Blockade des Suezkanals verschärfen die
    Situation zusätzlich
  • Die Force-Majeure-Meldungen mehren sich.

Unternehmen stehen immer mal wieder vor einzelnen oder mehreren Herausforderungen dieser Art, dass jedoch sämtliche dieser Ereignisse und Effekte weltweit gleichzeitig auftreten, gab es noch nie. Ein solcher „Perfect Storm“ ist bisher einzigartig.

Eine Strategie für den Sturm

Im Umgang mit derart vielen gleichzeitig auftretenden Effekten und Hindernissen ist der Zusammenhalt und Einsatz aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wichtiger denn je. Der HAEinkauf arbeitet eng vernetzt, weltweit und entlang der kompletten Prozesskette – dadurch ist das Unternehmen in der Lage weiterhin zuverlässig zu liefern.

Keine Entwarnung für 2022

Die Auswirkungen des Chip-Mangels halten an, die Energiekostenveränderungen müssen bewertet werden, die konsequenten Maßnahmen in China zur Energie- und Emissionsreduktion werden stetig sichtbarer. Um zukunftsfähig zu bleiben, müssen sich Unternehmen strategisch auf die bevorstehenden Herausforderungen und Entwicklungen einstellen

Die Störungen der Lieferketten dauern immer noch an. (Grafik: Statista)

Die Themen der Zukunft

Doch die Rohstoffsituation in China ist nicht allein der Unsicherheitsfaktor für heute und morgen. Die HA Group will langfristig mit ihren lokalen und regionalen Strukturen ein verlässlicher Partner für ihre Kunden sein. Neben den Standardaufgaben des Einkaufs lauten die Kernthemen der Zukunft:
> Resilienz
> Nachhaltigkeit
> Digitalisierung/Prozesse

Wir haben jedes dieser drei Themen für unsere Teams genauer ausdefiniert und pragmatische Handlungsgrundsätze daraus abgeleitet, die uns als Richtschnur dienen.
1. Resilienz bedeutet für uns konkret:
a. Die konsequente Einführung einer Lieferketten- bzw. Produktstrategie, kombiniert mit Lieferanten aus verschiedenen Regionen. Wenn das nicht möglich ist, dann vereinbaren wir klare, langfristige Lieferverträge.
b. Wir denken in mehrere Richtungen, suchen ggf. alternative Produkte und Lieferanten.
c. Wir achten auf eine optimal abgestimmte Bedarfsplanung, rechtzeitig und im Voraus.

2. Nachhaltigkeit spielt bei HA eine wichtige Rolle, entlang der gesamten Prozesskette:
a. Wir erwarten von unseren Lieferanten ein klares Commitment. Sie müssen unseren Supplier Code of Conduct unterzeichnen und befolgen oder uns ihren eigenen, entsprechend gleichwertigen Kodex vorlegen.
b. Wir berücksichtigen den CO2-Fußabdruck der Rohstoffe, die wir einkaufen. Er stellt ein Kriterium bei der Entscheidung für oder gegen einen Lieferanten oder ein Produkt dar.
c. Das Thema Nachhaltigkeit wird fest verankert in unserer Strategie und in allen unseren Bestellbedingungen – weltweit.
d. Wir sind durch ein international anerkanntes System über die gesamte HA Group vernetzt. Unsere Maßstäbe und Grundsätze gelten weltweit.

3. Digitalisierung/Prozesse – hiermit sind die Automatisierung, das Datenmanagement und neue Systeme sowie cross-funktionale Kooperationen gemeint. Konkret bedeutet das:
a. HA hat einen Standardbeschaffungsprozess, der so weit wie möglich automatisiert ist und die Möglichkeiten der ERP-Software (Enterprise Resource Planning) optimal nutzt.
b. Wir nutzen automatisierte Systeme und Informationsprogramme wo immer es geht, damit sich unsere Teams im Einkauf auf ihre Kernaufgaben konzentrieren können.
c. Daten-Analyse: Informationen und Daten aus aller Welt helfen uns, die richtigen Maßnahmen abzuleiten.
d. Nicht zuletzt spielen KI-Tools und automatisierte Programme eine wichtige Rolle dabei, die optimalen Lieferanten, mögliche alternative Produkte und s schnellere Prozesse für HA zu identifizieren

Die Kernthemen der Zukunft für den Einkauf bei HA. (Grafik: HA Group)

Die Rolle Chinas

Der Beschaffungsmarkt China ist ein nicht wegzudenkendes Kernelement der Beschaffungsmärkte sämtlicher Industrien – sei es als direkter Lieferant oder als Lieferant der eigenen Lieferanten. Um besser planen zu können und auf alles vorbereitet zu sein, bezieht HA die Pläne der chinesischen Regierung in die eigenen Strategien mit ein. Die Devise lautet: „hope for the best and plan for the worst“.

Die Strategie von HA sieht vor, Lieferketten aus mindestens zwei Kontinenten zu haben. Aber das allein wird jedoch angesichts der aktuellen und bevorstehenden Situation nicht ausreichen. Zugleich kommt es auch immer auf eine enge  Kommunikation mit den Kunden an, um alternative Lösungen vorsorglich freitesten zu lassen.
Auch und ganz besonders in Zeiten, in denen ein persönliches Treffen nicht möglich ist, spielt eine transparente Kommunikation eine zentrale Rolle. Der Einkauf von HA kommuniziert regelmäßig digital und direkt mit den eigenen Lieferanten – in China und weltweit. Interkulturelle Kommunikation und das Verständnis für die Situation der unterschiedlichen Stakeholder gehört daher zu den Kernkompetenzen eines guten Einkäufers.

Es sind große Aufgaben, vor denen wir alle stehen und es sind schwierige Zeiten, die eine echte Bewährungsprobe darstellen. Nur wer die Herausforderungen entschlossen annimmt und die eigene Strategie ständig flexibel den aktuellen Gegebenheiten anpasst, wird gestärkt aus der Krise gehen und vor allem ein  verlässlicher Partner für Kunden sein und bleiben.

 

www.ha-group.com
Thomas Pfeiffer, Mitglied der Geschäftsleitung, Vice President Global Sourcing HA Group

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Dr. Jochen Wilkens

Geschäftsführer IVG

Telefon: +49 (0) 511 98490-12

E-Mail: jw@giessereichemie.de

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